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Quartalszahlen Q3 2019 Amazon

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    Quartalszahlen Q3 2019 Amazon

    Amazon ist einfach eine Welt für sich. Es ist schon bemerkenswert, wenn man mal überlegt, dass Jeff Bezos als Buchhändler angefangen hat und nun ein Logistikgigant, Einzelhändler, Cloudanbieter und Unterhaltungslieferant ist. Man kommt an Amazon nicht vorbei. Das Unternehmen kann immer wieder neue Geschäftsbereiche für sich entdecken und aufbrechen. Wenn solche Geschäftsmodelle schnell wachsen, gibt es natürlich Anpassungslücken und der Schrei nach Regulierung wird groß. So auch bei Amazon! Beispielsweise Frankreich, das eine Digitalsteuer einführen möchte und auf 650 Mio. Euro Einnahmen in 2020 hofft. Oder die EU, die plötzlich auch eine eigene Cloud anstrebt, um nicht alle Daten an die Amerikaner oder Chinesen zu verlieren. Diese Maßnahmen sind teils umstritten, führen aber nur zu einem Schritt:
    Zu mehr Anstrengung der Unternehmen und damit schnelleren Innnovationen. Dies spürt man auch bei Amazon in den jüngsten Quartalszahlen zum abgelaufenen Q3 2019.
    Der Umsatz stieg zwar auf 70 Mrd. USD, was einem Plus von fast 24 % zum Q3 2018 entspricht, der Nettoertrag fiel jedoch auf 2,1 Mrd. USD (minus 26 %). Die Nettomarge schmolz auf 3,05 %.

    Aber der Reihe nach: Die operativen Ausgaben stiegen schneller als der Umsatz an, nämlich um 28,5 % auf 25,5 Mrd. USD. Die operative Marge liegt ohnehin nur bei 4,5 % und ist den letzten Quartalen eher rückläufig.
    Die Kostenstruktur ist geprägt von anderen operativen Kosten. Hinter den zehn Mrd. USD verbergen sich die Ausgaben für das so genannte Fulfillment, also z.B. die Versandkosten oder deren Bestandteile. Hierzu hat Bezos aber eine ganz klare Meinung. Er ist der Ansicht, dass das Investment in Lieferketten genau der richtige Weg ist, um zufriedene Kunden sehr langfristig an das Unternehmen und somit an das Eco-System von Amazon zu binden. Es ist wie im Fußball, wenn der Ball rollt und das Team Tore schießt - warum sollte man dann auswechseln!?

    Der zweite große Kostenblock sind Forschung und Entwicklung mit 9,2 Mrd. USD. Ohne neue Innovationen bleibt jeder Betrieb irgendwann auf der Strecke. Marketing (4,7 Mrd.) steigt leicht, was aber im Verhältnis zum Umsatz ok ist. Die operativen Ausgaben von insgesamt 25,5 Mrd. USD in Q3 2019 betragen 36,5 % des Umsatzes (Q3 2018, 35,1 %).

    Die Segmentberichterstattung (jeweils Vergleich Q3 2018) teilt sich in fünf Hauptgruppen ein: Online, Drittanbieter, AWS, Ladengeschäfte und Abos (Prime).

    Online hat den Löwenanteil (50 %), Umsatz 35 Mrd., ein Plus von 20,5 %.
    Drittanbieter (19 %), Umsatz 13,2 Mrd., plus 27,1 %.
    AWS (12,9 %), Umsatz 9 Mrd., plus 34,7 %
    Ladengeschäfte (6 %), Umsatz 4,2 Mrd., minus 1,3 %
    Aboservice (Prime) (7,1 %), Umsatz 5 Mrd., plus 34 %

    Online und Drittanbieter lassen wir mal weg. AWS, also die Cloud und die Ladengeschäfte sind interessant.
    Cloudanbieter sprießen wie Pilze aus dem Boden. Microsoft (Bericht im Forum) konnte hier trotzdem ein Wachstum von 26,6 % auf 10,8 Mrd. USD (jüngste operative Marge 35,9 %) berichten.
    AWS ist dicht auf den Fersen bezüglich des Umsatzes, hatte aber mit dem Verlust des Pentagon Auftrags das Nachsehen. Kurzfristig könnte hier Druck auf die operative Marge (noch 25 %) kommen.

    Interessant ist die Ankündigung des 600 Mio. USD Investments in Indien. Indien wächst sehr schnell und Amazon ist hinter Walmart die Nummer 2. Noch hat Walmart die Nase mit 44 % der Marktanteile vorne, aber Amazon (30 % Marktanteil) holt auf. Laut Euromonitor soll sich das Wachstum in den nächsten Jahren beschleunigen und der Onlinehandel von 5,2 % in 2018 auf 9,5 % in 2023 steigen. Die Einzelhandelsumsätze werden mit plus elf Prozent pro Jahr auf 887 Mrd. USD in 2022 erwartet, der Onlineanteil wird hier mit 92 Mrd. beziffert. Wachstumsraten von 26 % könnten Amazon Recht geben - und wer will schon die Nummer 2 sein! Ich denke, dass auch das Ladengeschäft mit den dazugehörigen Lebensmittellieferungen in den kommenden Jahren ein neuer Angriffsmarkt für Jeff werden könnte. Hier ist viel Potenzial. In den USA wurden schon diverse Akquisitionen gemacht und in Deutschland sucht man händeringend Zusteller.

    Die bilanzierten Zahlen sehen weithin sehr gut aus. Der Kassenbestand und die kurzfristigen Anlagen belaufen sich auf 43,4 Mrd. USD. Die Nettoschulden betragen 31,2 Mrd. Das Eigenkapital wird mit 56,5 Mrd. USD beziffert. Gewinnrücklagen summieren sich auf 27,9 Mrd. USD. Der Free Cash Flow in Q3 2019 lag zwar nur bei 3,2 Mrd. USD, dies ist aber den gestiegenen Kosten für Investitionen in zukünftige Erträge geschuldet.

    Amazon wäre nicht Amazon, wenn neue Märkte, Produkte oder Servicedienstleistungen nicht ganz oben auf der Agenda stehen würden. Dafür benötigt man Geld, Ideen und den nötigen Marktzugang. Auf allen Ebenen ist Jeff Bezos gut ausgestattet, richtig beraten oder gut vernetzt. Die Margen in einzelnen Bereichen könnten kurzfristig etwas leiden, was den langfristen Erfolg jedoch nicht schmälern sollte.
    Dem Eco-System Amazon zu entkommen, ist heutzutage kaum möglich. Ist doch prima, wenn man abends etwas bestellt und schon am nächsten Morgen klingelt der Post- oder bald sogar der eigene Amazonbote. Man sollte aber Produkte von Produzenten aus der Region nicht vergessen! Beim Hofladen im Dorf gibt es ja auch Vorteile – beispielsweise Menschenkontakt!

    Herzliche Grüße
    Ihr Fonds Team

    Ingo Nix
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