Die Zahlen des Aquakulturbetreibers Bakkafrost für das vierte Quartal 2020 waren insgesamt eher schwach, was angesichts des Ausblicks nach den Zahlen für das dritte Quartal jedoch nicht überraschend war. Die global an Atlantiklachs geerntete Menge stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 10,8 %.

Bei Bakkafrost wurde seit dem pandemiebedingten Tief im ersten Quartal 2020 zwar jedes folgende Quartal sequenziell mehr Lachs geerntet, dennoch lag die im vierten Quartal geerntete Menge mit 25,3 Tonnen 2,3 % unter der Vorjahresperiode. 16,0 Tonnen (63 %; -11,0 % gegenüber 4Q19) kamen hierbei aus deren Beständen an ihrem Hauptsitz, den Faröer-Inseln (FO), und 9,3 Tonnen (37 %; +17,4 % gegenüber 4Q19) aus Schottland (SCT).

Während die Erntevolumina entsprechend den Erwartungen des Unternehmens ausfielen, lag der damit erzielte Umsatz für FO mit 603 Mio. DKK 36,2 % und für SCT mit 389 Mio. DKK 11,0 % unter dem Vorjahresquartal. Die Diskrepanz zwischen Erntevolumen und Umsatz im Farming-Segment (FO & SCT) erklärt sich vor allem aus dem pandemiebedingten massiven Einbruch der Lachspreise, die im abgelaufenen Quartal weiter nachgaben.

Aufgrund dieser Entwicklung wurde ein noch größerer Teil des geernteten Lachses als bereits im dritten Quartal zur internen Herstellung sogenannter Value Added Products (VAP) verwendet (anstatt diesen am Markt zu verkaufen), was zu einem VAP-Volumenzuwachs von 61 % und einem Umsatzanstieg um 15,4 % auf 287 Mio. DKK führte. Das Produktionsvolumen von Fischprodukten (andere Fischarten), Fischöl und Fischfutter (FOF) lag zwar signifikant über dem Vorjahr, mit 359 Mio. DKK umsatzseitig jedoch nur 6,2 % über Vorjahresniveau, da ein Großteil dieser Produkte in die eigene Lachszucht floss. Insgesamt belief sich der Umsatz auf 1,18 Mrd. DKK, womit dieser 26,3 % unter dem Vorjahresquartal und 4,4 % unter den Analystenschätzungen lag.

Die geringeren Erntevolumina und Lachspreise, die noch geringe Profitabilität von SCT sowie die größtenteils schädlingsbedingten Wertberichtigungen auf die biologischen Aktiva von insgesamt 39 Mio. DKK führten am Ende zu einem EBIT von 89 Mio. DKK, was 78,7 % unter Vorjahresniveau und 31,5 % unter den Analystenschätzungen lag. Aufgrund der oben genannten Umstände sowie einer temporär signifikant höheren Steuerquote ergab sich damit ein Verlust von 32 Mio. DKK für das abgelaufene Quartal.

Während das Management von Bakkafrost auch für das erste Quartal 2021 von negativen Auswirkungen der Pandemie ausgeht, erwartet es dennoch ein Marktwachstum für den Atlantiklachs von vier Prozent bzw. fünf bis sechs Prozent für 2021. Für das zweite Halbjahr 2021 erwartet das Management, dass weltweit nicht genug Atlantiklachs produziert werden kann, um die Nachfrage zu befriedigen. Gleichzeitig sollen aber neue Produktionskapazitäten bei Bakkafrost an den Start gehen.

Die regionale Diversifikation der Produktionsstandorte sowie die vertikale Integration des Unternehmens verleihen Bakkafrost eine gewisse Flexibilität, um exogene Schocks (Pandemien, extreme Wetterereignisse, Schädlingsbefall, etc.) zumindest teilweise zu kompensieren. Ein massiver Einbruch der Lachspreise kann damit jedoch nicht ausgeglichen werden. Falls sich der Markt im Jahr 2021 wie vom Management erwartet entwickelt, sollte Bakkafrost aber selbst bei anhaltend tiefen Lachspreisen aufgrund höherer Produktionskapazität und -ausbeute Gewinnwachstum im Jahr 2021 erzielen können.

Herzliche Grüße
Ingo Nix