Nach wie vor ist die Reisebranche eine der am stärksten von der SARS-CoV-2-Pandemie betroffenen Branchen überhaupt. Insofern war es nicht überraschend, dass die Zahlen des Online-Reiseagentur-Betreibers Booking Holdings für das dritte Quartal 2020 keinen Anlass zur Euphorie geben werden. Erwartungsgemäß zeigten sich im Vergleich zur Vorjahresperiode zwar nach wie vor massive Wachstumseinbrüche, andererseits aber auch eine starke sequenzielle Erholung gegenüber dem ersten und zweiten Quartal des Jahres, in denen das Unternehmen Corona-bedingt temporäre Verluste verzeichnete. Die Aufhebung der Shutdowns bzw. Lockdowns und damit auch der Reisebeschränkungen am Anfang des dritten Quartals führte zu einem signifikanten Nachholbedarf über den Sommer. So lag der Umsatz mit 2,6 Mrd. USD zwar immer noch 47,6 % unter Vorjahresniveau, schlug damit aber die Erwartungen der Analysten um 3,8 %. Der Umsatz korrelierte dabei gut mit den Bruttoreisebuchungen, die 47 % unter der Vorjahresperiode lagen, während gebuchte und tatsächlich bezahlte Unterkünfte 43 % unter Vorjahresniveau lagen.

Aufgrund des branchenspezifischen, hohen Verhältnisses an Fixkosten, die kurzfristig nicht effektiv reduziert werden können, lag das EBIT mit 888 Mio. USD 62,5 % und der adjustierte Reingewinn 71,1 % unter Vorjahresniveau. Damit schlug das EBIT die Analystenschätzungen aber dennoch um 10,0 %. Lediglich der adjustierte Reingewinn fiel 20,0 % schlechter aus als von den Analysten erwartet. Der nicht adjustierte Reingewinn (nach US-GAAP) lag mit 801 Mio. USD in diesem Fall höher als der adjustierte Reingewinn. Für ersteren gibt es zwar keine Vergleichsbasis in Form von Analystenschätzungen, entspricht aber einem Einbruch von „nur“ 59 %. Die Differenz beider Gewinngrößen liegt an einer ganzen Reihe an Wertberichtigungen (für die zwei früheren Akquisitionen von OpenTable und KAYAK), nicht-realisierten Gewinnen von Wertpapieranlagen und Steuerzuschreibungen.

Mit den wieder steigenden Infektionszahlen über den Herbst, die über den Winter wohl eher noch weiter zunehmen werden, steigt das Risiko für erneute Reisebeschränkungen durch Shutdowns bzw. Lockdowns. Mit einer V-förmigen Erholung des Geschäfts von Booking sollte man also nicht rechnen, sondern eher mit einer graduellen Erholung. Nach der Krise wird Booking gestärkt durch seine Plattform-Strategie profitieren.

Herzliche Grüße
Ingo Nix